Startseite | So erreichen Sie uns | Impressum | Datenschutzerklärung

Geschichte in Buchbrunn e.V. - Artikelreihe

Ansicht des Frankenträubl, aus „Frankenträubl. Kle

Vor 145 Jahren: Johann Riegel, der Wirt vom Frankenträubl
Im Jahr 1881 wurde Johann Riegel geboren. 145 Jahre später lohnt sich ein Blick auf einen Buchbrunner, dessen Lebensweg zeigt, wie ein einzelner Mensch das Gesicht eines Dorfes prägen kann – und wie ein Dorf und seine Zeit einen Menschen prägen.

Das Frankenträubl
Johann Riegel, im Ort „Abraham„ genannt, war gelernter Metzger. Er verband sein Handwerk mit Unternehmergeist: Neben der Metzgerei gründete er eine Gastwirtschaft mit Gastgarten und Kegelbahn, das „Frankenträubl„. Die Gastwirtschaft am Ortsausgang Richtung Kitzingen wurde mehr als ein Ort zum Einkehren: Sie wurde ein Stück Buchbrunner Dorfgeschichte. Hier wurde gegessen, gefeiert, gekegelt und diskutiert. Sportler nutzten es als Vereinsheim, Feuerwehrleute feierten dort ihre Prüfungen, und Jahrzehnte später, am 30. Januar 1962 wurde hier der Männergesangverein gegründet. Zudem entwickelte sich das „Frankenträubl„ neben dem „Goldenen Stern„ und der „Haltstell„ zu einer Ausflugsgaststätte. Gäste aus Kitzingen kamen zu Fuß nach Buchbrunn, kehrten unter den Kastanien ein und gingen über Mainstockheim zurück.

Innovation und Offenheit für neue Technologien
Riegel war ein angesehener, sparsamer und geschäftstüchtiger Wirt. Tief im Handwerk verwurzelt war er zugleich offen für technische Neuerungen. Beides war für ihn kein Widerspruch. Er besaß schon früh ein Auto. Zudem ließ er im „Frankenträubl„ eines der ersten Telefone im Ort einrichten. Er war ein Unternehmer, der es verstand, Tradition und technologischen Fortschritt miteinander zu verbinden. Wie Johann Wilhelm Meuschel ein Jahrhundert zuvor im Weinhandel verband auch Riegel Handwerk mit unternehmerischem Denken: Handwerk, Offenheit für neue Technik, wirtschaftliches Gespür und Gastfreundschaft gehörten für ihn selbstverständlich zusammen.

Mut in dunkler Zeit
Zur Geschichte Johann Riegels gehört auch seine Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Das öffentliche Leben in den Jahren 1933 bis 1945 war auch in Buchbrunn von der Diktatur geprägt. Am Schulhaus wurde eine schwarze Tafel angebracht, auf der die Namen derjenigen Bürger eingetragen wurden, die „Geschäfte mit Juden„ machten. In dieser Zeit arbeitete Riegel mit dem Kitzinger Widerstandsführer Joseph Egner zusammen, um jüdische Familien zu unterstützen. Als Beobachtungsposten der Widerstandsgruppe Egner verwahrte er Munition. Er nutzte seine Stellung, seine Kontakte und seine Ortskenntnis, um den Verfolgten zu helfen. Aus Unterlagen wissen wir heute, dass das Gasthaus von der Gestapo beobachtet wurde, die auch seine Frau Rosa und ihre Tochter im Visier hatten. Dass Johann Riegels Familie den Nationalsozialismus überlebte, war damals keinesfalls sicher. Gerade deshalb verdienen ihr stiller Mut und ihre aufrechte Haltung in dieser Zeit besondere Anerkennung.

Was bleibt
Nach dem Krieg führten Johann und Rosa Riegel das „Frankenträubl„ noch bis 1954 weiter. Dann wurde die Gaststätte zunächst verpachtet; später wurde das Gebäude abgerissen. Heute erinnert der Wirtshausausleger des Frankenträubl am Eingang der AWO Tagespflege an das ehemalige Gasthaus. Und auch wenn es Riegels Gastwirtschaft heute nicht mehr gibt: Entscheidend ist, dass die Haltung, die Johann Riegel auszeichnete, bis heute in Buchbrunn weiterlebt: Liebe zum Handwerk und Offenheit für Innovation, Geschäftssinn und Sparsamkeit, Mut und Aufrichtigkeit.