Geschichte in Buchbrunn e.V. - Artikelreihe
Vor 400 Jahren: Die Rekatholisierungspläne Philipp Adolf von Ehrenbergs
Im Jahr 1626 kündigte der Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg an, Kitzingen mit den zugehörigen Dörfern – darunter Buchbrunn – zurückzukaufen. Als Neffe Julius Echters stand er in der Tradition der Gegenreformation und wollte die Orte wieder katholisch machen. Drei Jahre später war es so weit: Am 13. Januar 1629 erfolgte die Pfandablösung. Um zu verstehen, was dieser Rückkauf für Buchbrunn bedeutete, muss man etwas tiefer in die Geschichte eintauchen.
Die Herrschaftsverhältnisse in Buchbrunn vor 1629
Zur Zeit seiner ersten urkundlichen Erwähnung war Buchbrunn im Besitz des Benediktinerinnenklosters Kitzingen, das bereits 748 urkundlich belegt ist. Um 1070 wird Buchbrunn im Kitzinger „Urbar„, einem Besitzverzeichnis des Klosters, als Fronhof erwähnt, der dem Kloster Geld- und Naturalabgaben zu leisten hatte. Im Spätmittelalter geriet das Kloster zunehmend unter den Einfluss der Würzburger Fürstbischöfe. Zur Sanierung der Bistumsfinanzen verpfändeten sie Kitzingen und die zugehörigen Dörfer 1443 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Unter markgräflicher Herrschaft wurde Buchbrunn im Zuge der Reformation evangelisch; dies ist durch Visitationsunterlagen von 1528 belegt.
Neben den Markgrafen verfügten auch andere Herren über Rechte in Buchbrunn. Seit dem 15. Jahrhundert unterstanden einzelne Höfe den Herren von Schwarzenberg, einem fränkischen Adelsgeschlecht mit Besitzungen zwischen Maindreieck und Steigerwald. Typisch für den fränkischen Ritteradel standen sie in wechselnden Dienst- und Lehensbeziehungen sowohl zum Hochstift Würzburg als auch zu Brandenburg-Ansbach. Während einzelne Familienmitglieder im 16. Jahrhundert evangelisch wurden, blieben andere katholisch. Buchbrunn war somit ein Dorf mit mehreren Herren und entsprechend unterschiedlichen Regelungen zu Abgaben, Gerichtsbarkeit und Frondiensten.
Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1583-1631) kündigte 1626 an, Kitzingen und Buchbrunn zurückzukaufen und zu rekatholisieren (Wikimedia Commons, gemeinfrei).
Konfliktjahre: Der Rückkauf Buchbrunns mitten im Dreißigjährigen Krieg
Dass eine Rekatholisierung möglich war, lag am Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II.: Es erlaubte es katholischen Fürsten, ehemals katholische Gebiete zurückzufordern. Mit dem Rückkauf Kitzingens und der umliegenden Dörfer 1629 begann unter dem Würzburger Fürstbischof, in dessen Regierungszeit Gegenreformation und Hexenverfolgung ihren Höhepunkt erreichten, eine konsequente Rekatholisierung. Die evangelischen Pfarrer mussten den Ort verlassen, bestehende kirchliche Strukturen wurden aufgelöst. Der Bevölkerung blieb die Wahl zwischen dem Übertritt zum katholischen Glauben und der Auswanderung. Dieser Einschnitt erfolgte mitten im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), einem europaweiten Konflikt zwischen katholischen und evangelischen Mächten. In Mainfranken, wo beide Konfessionen territorial unmittelbar aufeinandertrafen, wirkten sich diese Spannungen besonders stark aus. Überliefert ist, dass mehr als 1000 evangelische Bürger, darunter 20 Ratsherren, aus Kitzingen flohen.
Vermutlich verließen auch einige Buchbrunner ihre Heimat, während andere sich den neuen Verhältnissen anpassten. Erst nach Kriegsende entspannte sich allmählich die Lage. Ab 1650 erließ der neue Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn Toleranzedikte. Im Jahr 1666 konnte in Buchbrunn wieder ein evangelischer Pfarrer eingesetzt werden, zunächst gemeinsam mit Repperndorf. Nun lebten Angehörige beider Konfessionen im Ort. Mit der Säkularisation des Hochstifts Würzburg 1803, dem Übergang an das Königreich Bayern 1814 und der Aufhebung der letzten grundherrlichen Rechte 1848 änderten sich die Herrschaftsverhältnisse endgültig. Aus Untertanen wurden Bürger und aus Buchbrunn ein Dorf im Königreich Bayern.
Spuren dieser Zeit im heutigen Buchbrunn
Heute erinnert das Wappen am alten Friedhofstor noch an die markgräfliche Herrschaft. Flur- und Straßennamen verweisen auf frühere Besitzverhältnisse und Frondienste. Zugleich ist die Zeit wechselnder Herren lange vorüber. Unser Ortsbild ist ein stilles Gedenkbuch der eigenen Geschichte – auch ihrer dunkleren Kapitel, die glücklicherweise der Vergangenheit angehören.






