Geschichte in Buchbrunn e.V. - Artikelreihe
Im Jahr 1876 blickte die Welt nach Philadelphia. Die Vereinigten Staaten feierten den hundertsten Jahrestag ihrer Unabhängigkeit mit der ersten Weltausstellung auf amerikanischem Boden. Zwischen Mai und November wurden im Fairmount Park technische Neuerungen, Kunstwerke und landwirtschaftliche Erzeugnisse aus zahlreichen Ländern gezeigt. Mitten in dieser internationalen Schau war auch ein Erzeugnis aus Buchbrunn vertreten: fränkischer Wein.
Ein Buchbrunner Name im Ausstellungskatalog
Die Agricultural Hall der Weltausstellung in Philadelphia, in der 1876 auch Wein aus Buchbrunn gezeigt wurde. Kolorierte Lithografie von Currier & Ives, um 1876. Library of Congress, Prints and Photographs Division, LC-DIG-pga-05765
Der offizielle englischsprachige Katalog führt in der deutschen Abteilung unter Bayern den Eintrag „Meuschel, sen., W. G., Buchbrunn, near Würzburg – Wines„. Die Buchbrunner Weine gehörten zur Klasse 660 für Wein, Spirituosen und Alkohol und wurden in der großen Agricultural Hall präsentiert. Der deutsche Ausstellungsbereich dieser Halle lag westlich des Hauptschiffs. Ein eigener Firmenpavillon ist nicht nachgewiesen. Vielmehr standen die Buchbrunner Weine gemeinsam mit den Erzeugnissen anderer deutscher Anbieter in der offiziellen deutschen Abteilung.
Vom Pferdewagen zum internationalen Weinhandel
Der Weg nach Amerika hatte ein halbes Jahrhundert zuvor recht bescheiden begonnen. Wie in dieser Reihe bereits berichtet, belud der Buchbrunner Winzer und Büttnermeister Johann Wilhelm Meuschel im Jahr 1826 einen Wagen mit Weinfässern und zog los, um seine Erzeugnisse selbst zu verkaufen. Seine Fahrten führten ihn zunächst in die Rhön und später bis nach Thüringen. 1828 machte er den Weinhandel zu seinem dauerhaften Erwerbszweig. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Carl August Meuschel und Wilhelm Gottlob Meuschel das Unternehmen. Sie bauten den Familienbetrieb erheblich aus. Aus dem Handel mit Pferdewagen und Holzfässern war innerhalb weniger Jahrzehnte ein Unternehmen mit überregionaler Reichweite geworden.
Die Auszeichnung von Philadelphia
Spätere Firmenunterlagen berichten, dass die Weine in Philadelphia mit einer „Großen Medaille mit Diplom„ ausgezeichnet wurden. Die Medaille und schon die Teilnahme an sich waren für ein Weinhandelshaus aus einem fränkischen Dorf bemerkenswert. Philadelphia brachte die Firma vor ein internationales Publikum und bot eine Auszeichnung, mit der sie später werben konnte.
Von Buchbrunn in die Welt
Philadelphia blieb nicht die einzige große Ausstellung, an der das Weinhandelshaus teilnahm. Weitere Beteiligungen folgten unter anderem in Chicago im Jahr 1893, Antwerpen 1894, Amsterdam 1895, Paris 1900 und St. Louis 1904. Ebenso international waren in dieser Zeit auch die Handelsbeziehungen der Firma. Das zeigt unter anderem ein aktuell im Obergeschoss des Buchbrunner Rathauses ausgestellter Reisekoffer eines Handelsvertreters der Firma Meuschel, der mit einer Vielzahl von deutsch und englisch beschrifteten Weinetiketten aus dieser Zeit beklebt ist.
Dieser Erfolg war nicht allein das Werk der reisenden Händler. Der Weinhandel war Familienarbeit. Während Familienmitglieder oft wochenlang unterwegs waren, mussten zu Hause Hof, Lagerung, Personal und Versand organisiert werden. Namentlich belegt ist Susanne Sattes, die in der Kitzinger Weinhandlung Deuster zur Buchhalterin ausgebildet wurde und im väterlichen Geschäft arbeitete, bevor sie in die Familie Meuschel einheiratete.
Was bleibt
Geblieben ist die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Weg: Die Teilnahme in Philadelphia zeigt, wie aus örtlichem Handwerk, kaufmännischem Mut und der Arbeit einer ganzen Familie ein Unternehmen von internationaler Reichweite entstehen konnte. Sie gehört damit zu den bemerkenswertesten Kapiteln der Buchbrunner Weinhandelsgeschichte und ist der Grund für die Entscheidung des Gemeinderats, das Gemeindehaus am ehemaligen Wohn- und Geschäftssitz der Firma Meuschel nach der Generalsanierung „Gemeindehaus Meuschel„ zu nennen.






